Schichten des Bewusstseins
Susanne Henkes intuitiver Kreationsprozess
Der kĂ¼nstlerische Kreationsprozess von Susanne Henke entspringt keinem festgelegten Konzept, sondern einem sensiblen inneren Wahrnehmungsraum. Am Anfang steht nicht die konkrete Form, sondern ein GefĂ¼hl, ein Impuls, eine Farbe oder eine kaum greifbare Stimmung. Bevor der erste Pinsel die Leinwand berĂ¼hrt, entsteht ein Moment der inneren Sammlung: Henke hört in sich hinein, lässt Gedanken zur Ruhe kommen und öffnet sich fĂ¼r das, was im Arbeitsprozess sichtbar werden kann.
Eine besondere Bedeutung hat fĂ¼r Henke die Atmosphäre der Nacht. Wenn äuĂŸere Reize leiser werden und Stille den Raum prägt, findet sie Zugang zu einer vertieften Konzentration. In ihrem Atelier begleitet sie leise Klaviermusik, deren Rhythmus und Klangfarbe unmittelbar in ihre Bewegungen einflieĂŸen. Musik wird so nicht lediglich zur Begleitung, sondern zu einem aktiven Bestandteil ihres kĂ¼nstlerischen Prozesses. Sie beeinflusst Dynamik, Geste und Energie der Arbeit und verstärkt den Dialog zwischen KĂ¼nstlerin und Leinwand.
Technisch arbeitet Susanne Henke vielschichtig und experimentell. Mit Pinseln, Rollen, Spachteln, Händen, SprĂ¼hfarbe und Schablonen trägt sie Farbe auf, nimmt sie wieder zurĂ¼ck, Ă¼berlagert, kratzt auf und verdichtet. Ihre Werke entstehen Schicht fĂ¼r Schicht. Jede Ebene ist Träger einer eigenen Spur: Manche bleiben sichtbar, andere verschwinden unter neuen Farbaufträgen. Dieses Wechselspiel aus Aufbau, Ăœberlagerung und Reduktion verleiht ihrem Arbeitsprozess eine besondere Tiefe.
Während des Malprozesses folgt Henke einer intuitiven, zugleich präzise wahrnehmenden Arbeitsweise. Formen entwickeln sich aus der Bewegung heraus. Einzelne Bildbereiche ziehen ihre Aufmerksamkeit auf sich, andere erzeugen Widerstand und fordern Ăœberarbeitung. So entstehen Spannungsfelder zwischen Kontrolle und Loslassen, Ruhe und Bewegung, Verdichtung und Ă–ffnung. Die Komposition wächst nicht linear, sondern in einem fortlaufenden Dialog mit der Leinwand.
Charakteristisch fĂ¼r ihren Kreationsprozess ist das Zusammenspiel aus innerer Wahrnehmung, musikalischer Atmosphäre, körperlicher Geste und materialbezogenem Experiment. Henke arbeitet nicht nach einem starren Plan, sondern reagiert auf das, was während des Malens entsteht. Dadurch bleibt der Prozess offen, lebendig und unmittelbar. Jeder Farbauftrag, jede Ăœberlagerung und jede freigelegte Spur wird Teil einer kĂ¼nstlerischen Entwicklung, die sich erst im Tun vollständig entfaltet.